Krankheitsangst: Therapie

Therapie

Kognitive Verhaltenstherapie zur Behandlung von Krankheitsängsten

Die kognitive Verhaltenstherapie ist eine wissenschaftlich gut belegte Methode zur Behandlung von Hypochondrie und somatoformen Störungen. Die Behandlung setzt an den aufrechterhaltenden Faktoren der Symptome an und zielt auf eine Veränderung ängstlichen Denkens und Handelns ab.

Zu Beginn der Behandlung wird mit dem Patienten ein spezifisches Entstehungs- und Aufrechterhaltungsmodell der Krankheitsängste erarbeitet, aus dem die notwendigen Therapieschritte abgeleitet werden. Dabei ist es besonders wichtig das zu Beginn der Therapie oft vorwiegend medizinische Störungsmodell zu verändern und ein Modell zu erarbeiten bei dem biologische, psychologische und soziale Aspekte eine Rolle spielen. Durch Selbstbeobachtungsprotokolle können Zusammenhänge zwischen Einflüssen von außen und körperlichem Wohlbefinden ermittelt werden. Durch Gedankenexperimente in der Therapie kann der Einfluss von Vorstellungen und Aufmerksamkeitslenkung erlebbar gemacht werden.

Häufig ist das Denken der Patienten durch bestimmte Annahmen über Gesundheit und Krankheit gekennzeichnet. Dabei bestehen die konkreten Gedanken oft aus zwei Teilen: Einer körperlichen Missempfindung und einer „absolutistischen“ Bedeutungszuschreibung (z.B. „Wenn ich Herzklopfen habe, heißt das dass ich einen Herzinfarkt habe.“) In der kognitiven Therapie sollen diese Gedanken hinterfragt und, falls angemessen, durch hilfreiche, alternative Gedanken (z.B. „Herzklopfen kann viele Gründe haben, etwas starke Gefühle, körperliche Aktivität oder Stress.“) ersetzt werden.

Da Krankheitsverhaltensweisen wie rückversichern oder häufige ärztliche Untersuchungen zwar kurzfristig angstreduzierend wirken, langfristig jedoch zur Aufrechterhaltung von Krankheitsängsten beitragen, ist es wichtig diese abzubauen und alternative Verhaltensweisen aufzubauen.

Im Rahmen des Aufbaus von Bewältigungsstrategien spielt das Erlernen eines Entspannungsverfahrens eine besondere Rolle. Dies dient dem Abbau von Anspannung, macht Beschwerden leichter erträglich und fördert ein angenehmes Körpererleben. Weitere Copingstrategien sind angenehme Aktivitäten wie z.B. Spazieren gehen, telefonieren oder kochen. Wichtig ist dabei zu beachten, dass diese dazu dienen die Symptome und vor allem die Belastung durch die Symptome zu lindern, nicht die Symptome weg zu bekommen.

Eine wichtige Methode zum Abbau von Krankheitsverhalten ist die Exposition mit Reaktionsverhinderung. Um die Angst zu provozieren werden dabei zum einen Körpersymptome provoziert z.B. in dem Herzklopfen durch schnelles Treppen steigen provoziert wird. Zum anderen können aber auch Gedanken aktiviert werden, z.B. durch eine Internetrecherche über die gefürchtete Erkrankung. Der Patient konfrontiert sich dann mit einer konkreten Symptomatik (z.B. Herzklopfen) und einer bestimmten Angst (z.B. „Ich befürchte einen Herzinfarkt zu haben.“) ohne zu reagieren. Er unterlässt also Verhaltensweisen wie „Body-Checking“ (z.B. Puls messen), rückversichern oder Medikamente nehmen. In der Folge kann er erleben wie Angst und Körpersymptome von alleine nachlassen. Somit erlebt der Betroffene, dass dies normale Körperreaktionen sind, die er aushalten kann.

Zur Reduktion von Arztbesuchen und Untersuchungen erarbeiten Patient und Therapeut gemeinsam Kriterien, wann ein Arztbesuch sinnvoll ist, um somit Arztbesuche vom Verstand her zu steuern und nicht zum Angstabbau zu nutzen.

Um Schonungsverhaltensweisen abzubauen ist ein gestuftes Übungsprogramm sinnvoll. Da bei ausgeprägter Schonung sich die Muskulatur abbaut, kann die Mitbehandlung durch einen Physio- oder Bewegungstherapeuten sinnvoll sein um systematisch die Muskulatur wieder aufzubauen und eine Überforderung zu verhindern.

Ähnlich kann auch der Wiedereinstieg in das Arbeitsleben stufenweise gestaltet werden, falls in Folge der Krankheitsängste eine berufliche Tätigkeit aufgegeben oder unterbrochen wurde. Dabei kann auch ein Stressbewältigungstraining eingesetzt werden und am Selbstbild bzgl. der Belastbarkeit gearbeitet werden, um sich den Anforderungen im Berufsleben wieder gewachsen zu fühlen.

In der letzten Phase der Therapie, der Rückfallprophylaxe, werden kritische Situationen, die nach dem Ende der Behandlung auf den Patienten zukommen besprochen und mögliche Strategien zur Bewältigung erarbeitet.