Krankheitsangst: Ursachen

Ursachen

Wie kommt es zu Krankheitsängsten?

Die Ursachen von Krankheitsängsten sind vielfältig. Es konnten bislang einige Risikofaktoren gefunden werden. Diese sind jedoch nicht eindeutig mit Krankheitsängsten verbunden und es ist noch weitgehend unklar, wie diese Faktoren bei der Verursachung von Krankheitsängsten zusammenspielen.

Genetische Faktoren scheinen zu Krankheitsängsten beizutragen, können diese jedoch alleine nicht erklären. Wenn Familienangehörige unter Krankheitsängsten leiden ist das Risiko leicht erhöht selbst Krankheitsängste zu entwickeln, auch wenn kein Kontakt zu dem Betroffenen besteht.

Vermutlich spielen verschiedene biologische Faktoren eine Rolle, wozu zum Beispiel eine veränderte Körperwahrnehmung, eine geringere körperliche Gewöhnungsreaktion und allgemeine körperliche Missempfindungen zu zählen sind. Dies sich klar zu machen, ist auch deshalb wichtig, weil es nochmal deutlich macht, dass es sich um „echte“ körperliche Symptome handelt und nichts mit Einbildung zu tun hat, was Betroffenen leider manchmal unterstellt wird.

Wie bei anderen psychischen Störungen erhöhen belastende Kindheitserlebnisse (z.B. Verlusterlebnisse, Vernachlässigung, Missbrauch) und traumatisierende Erfahrungen im Erwachsenenalter (z.B. Kriegserfahrungen, schwere Unfälle) das Risiko Krankheitsängste zu entwickeln.

Eine wichtige Rolle für die Entwicklung von Krankheitsängsten scheint ein interozeptiver Wahrnehmungsstil zu spielen. Darunter ist die Neigung zu verstehen, körperliche Empfindungen als beeinträchtigend zu erleben und unangenehme Körperempfindungen als krankhaft wahrzunehmen und nicht als normale körperliche Reaktion.

Darüber hinaus haben betroffene Personen oft auch unrealistische Einstellungen zum Thema Gesundheit („Gesundheit bedeutet keine Beschwerden zu haben.“) und neigen dazu Körpersymptome katastrophisierend zu bewerten.

Neben den vielen Nachteilen, die mit Krankheitsängsten einhergehen (starke Ängste und Beeinträchtigungen im Alltag), kann die Erkrankung auch Vorteile mit sich bringen. Zum Beispiel kann die Symptomatik zu mehr Zuwendung im Umfeld führen oder es kann zu einer Reduktion von Belastungen kommen (z.B. Schonung durch Angehörige, Krankschreibung, Rente). Dies führt zu einer operanten Verstärkung der Symptomatik, das heißt die Krankenrolle wird somit indirekt belohnt, was es erschwert die Krankenrolle aufzugeben.

Im Einzelfall ist ein Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren für die Entstehung der Krankheitsängste verantwortlich wobei der Betroffene ggf. gemeinsam mit einem Therapeuten erarbeitet, welche der genannten Risikofaktoren bei ihm eine Rolle spielen.

Ausgelöst werden kann die Störung durch Informationen aus den Medien über eine schwere Erkrankung, die zu einer Aufmerksamkeitsfokussierung auf den eigenen Körper führen, wodurch Missempfindungen stärker wahrgenommen werden. Auch können durch leichte Erkrankungen oder Stress entstehende körperliche Missempfindungen Auslöser der Krankheitsangst sein, wenn diese Missempfindungen als bedrohlich erlebt werden.

Aufrechterhaltend wirken Krankheitsverhaltensweisen wie „Body-Checking“, Rückversichern, zahlreiche ärztliche Untersuchungen, Medikamenteneinnahme und Vermeidung bzw. Schonung. Obwohl diese Verhaltensweisen kurzfristig entlastend wirken und die Angst für einen Moment nachlässt, führen sie langfristig dazu, dass Ängste bestehen bleiben. Zum einen fördern diese Verhaltensweisen die Fokussierung auf Körpersymptome und unterstützen eine katastrophisierende Bewertung von Körpersymptomen („Wenn der Arzt so viele Untersuchungen durchführt und Medikamente verschreibt, dann muss ich wirklich schwer krank sein.“). Darüber hinaus können diese Verhaltensweisen auch Körpersymptome auslösen. Beispiele dafür sind Hautirritationen, die durch intensives Abtasten ausgelöst wurden, Rückenschmerzen durch Muskelabbau in Folge von Schonung oder medikamenteninduzierter Kopfschmerz. Auf lange Sicht können Medikamente auch den Körper dauerhaft schädigen und bei manchen Präparaten besteht die Gefahr einer Abhängigkeit.