Painted Dreams & Abstract Greens

Das-Uniklinik-Wandmalerei-Projekt 2015-16

INFORMATION

Das Projekt

Gemeinsam mit der Künstlerin Birgit Jensen, meiner Mitarbeiterin Gesine Kikol und 23 Studierenden des Lehramtes Kunst wurde in einer Seminar-Trilogie diese Wandgestaltung erarbeitet und schließlich vor Ort im laufenden Betrieb umgesetzt. Anders als sonst in den Seminaren, die mit vielen Einzelergebnissen abschließen, sollte hier am Ende eine gemeinsame künstlerische Arbeit stehen. Wie lässt sich eine Konzeption für eine Wandmalerei mit 23 Individuen entwickeln?

Im ersten Brainstorming entstand die Idee von Rundbildern, die sich wie Kreise oder Luftblasen spielerisch über die Wand verteilen und durch abstrakte Elemente verbunden sind. Unser Ziel war es, den Kranken und Mitarbeitern einen ästhetisch ansprechenden, heiteren Gesamteindruck zu bieten, in dem die Motive der Tondi wie kleine Inseln auf genauere Betrachtung warten, an denen man aber auch vorbeisegeln kann, um sich vielleicht an anderer Stelle dem reichen Formenspiel der Abstraktion zuzuwenden.

Bilder und künstlerische Arbeiten können immer nur ein Angebot sein. Die Blicke des Einzelnen werden je nach Gemütsverfassung und Veranlagung an unterschiedlichen Punkten der Gestaltung hängen bleiben und können so zum Katalysator für innere Bilder oder Dialoge werden. Es steht den Betrachtern frei, sich darauf einzulassen.

Als übergeordnetes Thema wurde die Vision eines Rundbildes (Tondo) entwickelt, assoziativ eine Motivik von Utopie, Paradies, Schönheit, Arkadien und Traum umkreisend.

Den Begriffen näherten wir uns über Referate, Diskussionen und intensives Nachdenken, was für diesen besonderen Ort geeignet sein könnte und worauf wir aus ethischen Gründen achten müssten. Die Bildideen der einzelnen Studierenden nahmen über Skizzen, Fotografien, Collagen allmählich Form an und wurden im Laufe eines Semesters als Rundbild mit einem Durchmesser von einem Meter malerisch auf Graupappen umgesetzt.

Damit war es möglich, für 23 Projektteilnehmer einen individuell verantworteten Bereich zu schaffen und von diesen „Inseln“ aus, im Team zur Gesamtgestaltung der Wand überzugehen. Formale und farbliche Kompositionselemente der Bildmotive wurden in eine mäandernde, abstrakte Formensprache überführt und so verbunden, dass die vielfältigen Elemente zu einem Gesamtbild zusammenwuchsen.

Hier war absolute Teamarbeit gefordert mit allen Prozessen, die dazu gehören wie Kompromiss- bereitschaft und Ausdauer, um sich nicht mit einem vorzeitigen Ergebnis zufrieden zu geben. Künstlerische Prozesse lassen sich weder forcieren noch voraus sehen. Man begibt sich auf einen gemeinsamen Weg, strebt ein bestimmtes Ziel an, weiß aber nicht wie es letztlich aussehen und wie holprig es unterwegs sein wird.

Es war eine hochkomplexe Entwicklung, die darauf basierte, dass die Studierenden sich animieren ließen, ihre Phantasie und ihren Erfindungsreichtum bestmöglich einzubringen. Alle waren gefordert und ich bin jeder, jedem einzelnen dankbar, dabei geblieben zu sein und die künstlerische Gestaltung zum eigenen Projekt gemacht zu haben. Rückblickend ist es ein mittleres Wunder, dass diese Wandmalerei mit so vielen Beteiligten zu einem lebendigen Gesamtbild zusammen gewachsen ist.

Silke Leverkühne, 2016

 

Painted Dreams – Utopien

Das Untergeschoss des Bettenhauses ist ein eher kalter, grauer, nüchterner Ort, in dem aber täglich viel Betrieb herrscht. Diesem Zustand wollten wir etwas entgegensetzen, eine farbinten- sive und positive Gegenwelt, im weitesten Sinne eine Utopie – beziehungsweise unsere vielen kleinen individuellen Utopien.

Wir wollten keine Dekoration, keine Oberflächlichkeit, nicht einfach eine verführerische Oberfläche. So begannen wir im Sommersemester 2015 gemeinsam mit einer umfangreichen Recherche und entdeckten wie vielfältig Utopien sein können. Wir suchten nach utopischen Modellen in Filmen, Literatur, Kunstgeschichte, aber auch in der Politik, Religion, Medizin oder Philosophie.

Ausgehend von dieser intensiven Beschäftigung haben die Studierenden über ein Semester hinweg ihre eigenen utopischen Motive entwickelt, je nach individuellem Interesse und an den speziellen Ort und die Situation angepasst. Einzige Vorgabe war die Form des Bildes, es sollte ein Rundbild sein, ein Tondo, von einem Meter Durchmesser.

Darstellungen des Paradieses, Arkadien oder Ideallandschaften gibt es die ganze Kunstgeschichte hindurch. Das Thema war und ist immer aktuell, da Menschen träumen, Sehnsüchte haben, ihrer derzeitigen Realität entfliehen möchten in eine schönere und vermeintlich bessere Welt.

Auf diese imaginäre Reise kann man sich nun begeben: ausgehend von einem der insgesamt 23 Bilder kann man sich einsehen, im Bild mit den Augen wandern, seine eigenen Wege weitergehen und erträumen…

Gesine Kikol, 2016

 

Abstract Greens

Im Laufe des Wintersemesters 2015/16 wurde unter meiner Leitung eine Konzeption für die abstract greens erarbeitet. Meine Vision war, die Rundbilder, die wie individuelle Inseln auf der Wand schweben sollten, miteinander zu verknüpfen und zu einer Gesamtkomposition werden zu lassen. Die bildnerischen Elemente hierzu sollten von den Studierenden selbst entwickelt werden. Zuerst haben wir Linien, die Flächen gliedern, und Strukturen, aus denen sich Richtungen und Rhythmen ergeben, gezeichnet. Farbflächen wurden zu komplexen Kompositionen zusammengestellt. Es galt, Beziehungen und Spannungsverhältnisse mit den formalen Mitteln der Zeichnung und des Aquarells entstehen zu lassen. Schließlich wurden aus den individuellen Entwürfen der Rundbilder abstrakte Formen extrahiert. Sie sollten als Vokabular für ungegenständliche Farb- und Formkonstellationen dienen.

Nachdem die Reihenfolge und Position der Tondi festgelegt war, haben wir die vielfältigen Ideen zu den abstrakten Elementen zueinander in Beziehung gesetzt. Dadurch ergaben sich ganz neue, unerwartete Kontraste. Mit dem gemeinsamen Ziel vor Augen, die 70 m lange Wand in der Uniklinik zu gestalten, musste jeder nun über die eigenen Grenzen hinaus gehen und sich intensiv mit den Vorstellungen der anderen auseinandersetzen. Es wurden neue Formen erfunden, Wertigkeiten entdeckt und gegebenenfalls wieder verworfen.

Es ist in meinen Augen eine tolle Leistung der Studierenden, dass sie sich diesem Spiel mit abstrak- ten Formen und Farben so engagiert hingegeben haben. Jede/r hat sich mit seiner individuellen Erfindungsgabe eingebracht. Es war für mich und für alle, die sich dieser Aufgabe gestellt haben, eine wirklich bereichernde Erfahrung. Das Resultat ist die Leistung aller Teilnehmer zusammen. Es ist sehr schwer, eine gemeinsame künstlerische Idee zu entwickeln, aber ich finde, es ist uns hier trotz des engen zeitlichen Rahmens gelungen.

Birgit Jensen, 2016

 

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