Auf die Kontexte kommt es an! #Kontexte16

Zwei Kontexte begleiten das Seminar in diesem Semester: Einer davon ist mit der Hochschule und dem studentischen Publizieren ein (vermeintlich) formaler, einer mit einem Flüchtlingsprojekt ein (vermeintlich) informeller. Durch die Kombination der beiden Kontexte erhoffe ich mir als Dozentin, dass unterschiedliche Gestaltungsfragen und -optionen im Seminar diskutiert werden.

Ausgangspunkt bilden zwei schriftliche Problemskizzen, die die aktuellen Herausforderungen in der Gestaltung der Kontexte, nächste Schritte und offene Fragen beschreiben und für alle Teilnehmenden im Seminar sichtbar machen. Ausgehend davon haben wir am zurückliegenden Dienstag verschiedene Fragen diskutiert, u.a.

  • Wie erreicht man die spezifischen Zielgruppen im Projekt? Wer sind die Zielgruppe überhaupt?
  • Wie reagieren weitere Akteursgruppen auf das Projekt?
  • Inwieweit zielen beide Projekte auf (mehr) Kommunikation? Welche Bedeutung spielt Sprache/Sprachlichkeit in den Projekten?
  • Wie kann man die Standorte, die den beiden Kontexten zugrunde liegen, miteinander in Beziehung setzen oder vernetzen?
  • Welche Medienformen können eingesetzt werden? Warum?
  • Wie organisieren sich die Projekte intern?

Über diese eher praktischen Fragen hinaus geht es nun darum, bis Mitte Mai Forschungsfragen zu definieren, denen die Studierenden für einen Kontext nachgehen. Dabei bildet je eine Seminarhälfte ein „Beratungsgremium“ für die Weiterentwicklung des Kontexts, was nicht zuletzt aufgrund der daraus resultierenden Großgruppenarbeit anspruchsvoll wird: So gilt es innerhalb der Kontexte vor allem die (Teil-)Gruppen aufeinander einzustimmen und die Kommunikation zwischen ihnen zu unterstützen. Diese Rolle übernehmen u.a. die Berichterstatter*innen. Zuvor erarbeiten alle Studierende aber in zusammengewürfelten Gruppen ’Spotlights’, also Blitzlichter, die spezifische Inhalte für das bessere Verständnis der Kontexte für die Seminargruppe aufbereiten und verdeutlichen. Gleichzeitig lernen sie sich so ein wenig besser kennen.

Worauf baut das Seminar auf? #Literatur

Aßmann, S. (2013). Medienhandeln zwischen formalen und informellen Kontexten: Doing Connectivity. Reihe Medienbildung und Gesellschaft. Wiesbaden: Springer VS.

Bachmann, G. (2014). Passt der traditionelle Campus zum Studieren von heute? In T. Skerlak, H. Kaufmann & G. Bachmann (Hrsg.), Lernumgebungen an der Hochschule. Auf dem Weg zum Campus von morgen. Reihe Medien in der Wissenschaft, Band 66 (93–121). Münster: Waxmann.

Hofhues, S. (2015). Informelles Lernen mit digitalen Medien in der Hochschule. In M. Rohs (Hrsg.), Handbuch Informelles Lernen (S. 1–14). Heidelberg: Springer VS.

Tully, C. J. (1994). Lernen in der Informationsgesellschaft. Informelle Bildung durch Computer und Medien. Wiesbaden: Westdeutscher Verlag.

Wolf, K. D., Rummler, K. & Duwe, W. (2011). Medienbildung als Prozess der Unsgestaltung zwischen formaler Medienerziehung und informeller Medienaneignung. In H. Moser, P. Grell & H. Niesyto (Hrsg.), Medienbildung und Medienkompetenz. Beiträge zu Schlüsselbegriffen der Medienpädagogik (S. 137–158). München: kopaed.

Worum geht es im Seminar? #Seminarbeschreibung

Auf den Kontext kommt es an! Teilnehmende der Einführungsvorlesung in die Mediendidaktik werden diesen einfachen Ausspruch oftmals gehört haben, doch liegt in ihm ein wichtiges Detail mediendidaktischer Planungsprozesse verborgen. So dienen Medien in formalen Kontexten in der Regel dazu, ein Lern- oder Bildungsziel zu erreichen; allerdings wäre es falsch anzunehmen, dass Medien hier ausschließlich formal eingesetzt würden. Man denke nur an die Facebook-Gruppen, die sich parallel zu Vorlesungen oder Seminaren bilden, oder an die verschiedenen Medienangebote, die nicht im direkten Zusammenhang mit einer Lehrveranstaltung stehen und eher informelle Aneignungs- anstelle formaler Lernprozesse anregen. Außerhalb formaler Bildungskontexte ist es ähnlich – nur umgekehrt: So geschieht Medienaneignung dort vorwiegend informell: z.B. zuhause, wo Hard- und Software wie selbstverständlich ausprobiert werden, in der Familie, innerhalb derer eigene oder gemeinsame Mediennutzungsstrategien entwickelt werden, mit Freunden, mit denen Sie sich gar nicht groß absprechen, ob Sie Whatsapp nutzen oder nicht, oder im Jugendclub, der unterschiedliche Bildungsgelegenheiten im non-formalen Raum anbietet. Hier stellt sich somit viel mehr die Frage, wie bspw. Medienprojekte in und für diese Zielgruppen und Kontexte dazu anregen, sich strukturiert mit Medien (im Sinne einer Formalisierung) auseinanderzusetzen.

Das Seminar „Medien in formalen und informellen Kontexten“ widmet sich daher den vielfältigen Kontexten, innerhalb derer Medienhandeln angestoßen wird. Gemeinsam wird im ersten Teil des Seminars danach gefragt, welche Rolle Kontexte für individuelles Medienhandeln spielen und wie diese mögliche Konzepte im Bereich der Mediendidaktik beeinflussen. Im zweiten Teil des Seminars werden Medienprojekte in formalen und informellen Kontexten durchdacht und entwickelt. Ziel des Seminars ist es, ein formales und ein (eher) informelles Medienprojekt im Laufe des Semesters auch umzusetzen.