Ausschreibung Forschungspost: Miteinander und voneinander lernen

Zweimal ist die Forschungspost, mit der wir, Sandra Hofhues und ich, Sie/euch durch die forschungsorientierte Vorlesung führen, schon erschienen und die ersten Rückmeldungen dazu haben uns in dem Vorhaben bestärkt, dass wir nun Sie/euch alle dazu einladen möchten, eine eigene Forschungspost bei uns einzureichen (hier gehts zur Ausschreibung).

Gerne möchte ich zum Jahresabschluss noch ein paar Zeilen darüber schreiben, warum ich als Studentin (im Master) so hinter der Idee der Forschungspost und der jetzt veröffentlichten Ausschreibung stehe. Natürlich begegnen wir uns als Kommiliton_innen jeden Tag in den Lehrveranstaltungen und tauschen uns dort über den einen oder anderen Gedanken aus – trotzdem geht im Studium auch sehr viel Zeit dafür drauf, dass wir zuhause oder in der Unibibliothek vor Forschungsberichten, Hausarbeiten und Studienleistungen brüten, Bücher aus dem Regal ziehen und wieder zurückstellen, mögliche Themen durchspielen und wieder verwerfen, Sätze schreiben und wieder löschen. Auf einer Forschungs- und Entdeckungsreise wären das die Wegabschnitte, auf denen wir ganz auf uns alleine gestellt sind. Abschnitte, in denen Unmengen an Lernprozessen ablaufen, die unseren Erfahrungsschatz weiter füllen und uns neue Möglichkeiten und Wege aufzeigen. Ich glaube, dass wir uns als Studierende viel zu selten darüber bewusst werden, was während der Arbeit an Forschungsberichten, Essays oder Projektportfolios eigentlich alles passiert – vor allem in der Rückschau erscheint vieles klarer und deutlicher, als es zum derzeitigen Zeitpunkt gewesen ist. Und dabei offenbaren alle diese Lern- und Erfahrungsprozesse während des eigenständigen Forschens, was es heißt, wirklich wissenschaftlich zu arbeiten – mit allen Höhen und Tiefen, Um- und Irrwegen, Erfolgen und Erkenntnissen.

Aus meiner Perspektive (im fortgeschrittenen Studium) glaube ich, dass die Wissenschaft ihren Reiz, ihre Herausforderungen, Logiken und Praktiken nur Schritt für Schritt offenbart und dass es dabei nicht immer ausreicht, mit erfahrenen Forscher_innen zu sprechen und deren Forschungsergebnisse zu rezipieren. Genauso wie dieser stetige Blick nach vorn – also zu denen, die schon so viel weiter als man selbst gekommen sind – hilft auch mal der Blick nach links und rechts – zu den eigenen Kommiliton_innen, die sich wie man selbst erst langsam an die Wissenschaft herantasten und vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Für diese Form der Sozialisierung gibt es an den Universitäten derzeit m.E. noch zu wenig Raum – Undergraduate Research Journals und studentische Forschungskonferenzen ermöglichen bereits die Sichtbarkeit studentischer Forschungsergebnisse, aber Einblicke in laufende Lern- und Forschungsprozesse existieren noch viel zu selten.

Die Metapher der Forschungsreise und das Medium der Forschungspost helfen dabei, genau dieses Prozesshafte beim forschenden Lernen sichtbar zu machen – zu zeigen, wie sich das anfühlt, wenn zum ersten Mal eine Forschungsfrage formuliert und ausgearbeitet werden muss, wie interessante Themen in konkrete Forschungsprojekte übersetzt werden und wie Schreibblockaden überwunden werden können. Eine Forschungspost, das müssen nicht unbedingt längere Texte sein. Das kann eine kurze Postkarte sein, die sich einem ganz bestimmten Wegabschnitt widmet. Das können ebenso Fotos und Bilder, Zeichnungen und Skizzen sein. Wie bin ich in mein Forschungsvorhaben gestartet, wo bin ich einmal in eine Sackgasse gelaufen oder an welchen Wegkreuzungen bin ich vorbeigekommen? Egal wie kurz oder wie lang ein eingereichter Beitrag am Ende ist, die Hauptsache ist doch, dass er auf eine ganz eigene Art und Weise ein Bild von der jeweiligen Forschungs- und Entdeckungsreise der Verfasserin / des Verfassers zeichnet und damit genau das sichtbar macht, was an Universitäten heute noch zu häufig im stillen Kämmerlein stattfindet – das Lernen jenseits der Lehrveranstaltungen, das eigenständige Forschen und das Weiterdenken über die Vorlesungsinhalte hinaus. Darüber hinaus glaube ich auch, dass man etwas über die Universität als Bildungsinstitution und die Wissenschaft an sich lernt, wenn man lesen und sehen kann, welche Bilder diejenigen zeichnen, die dort gerade ihre ersten Gehversuche machen.

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